
Regionale Projekte: Deutschland – Berlin
Glaube leben. Menschen würdig begegnen.
Mitten in Berlin, unweit des Bahnhofs Zoo, engagieren sich die Schwestern von der heiligen Elisabeth in der medizinischen Versorgung von obdachlosen und wohnungslosen Menschen.
In einer Umgebung, die von Not, Krankheit und sozialer Ausgrenzung geprägt ist, leisten sie einen Dienst, der weit über medizinische Hilfe hinausgeht. Es geht um Würde, Zuwendung und das bewusste Dasein für Menschen, die oft übersehen werden.
Seit 2014 ist eine Schwester der Gemeinschaft regelmäßig vor Ort tätig und verbindet dabei pflegerische Kompetenz mit seelsorglicher Begleitung.
Inhalt auf dieser Seite
Das Projekt im Überblick
Die medizinische Ambulanz am Bahnhof Zoo

Die medizinische Ambulanz am Bahnhof Zoo ist ein Angebot der Caritas und richtet sich an obdachlose Menschen sowie an Menschen ohne Krankenversicherung. Die Behandlung erfolgt kostenfrei.
Das Leben auf der Straße führt häufig zu schweren gesundheitlichen Problemen. Viele Betroffene nehmen reguläre medizinische Angebote nicht in Anspruch – sei es aus Angst, aus Unsicherheit oder aufgrund fehlender Krankenversicherung. In der Ambulanz arbeiten Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen ehrenamtlich zusammen, darunter Allgemeinmedizin, Chirurgie, Dermatologie und Neurologie. Ergänzt wird das Team durch Pflegekräfte und Sozialarbeitende.
Neben der medizinischen Versorgung ist die Ambulanz eine wichtige Schnittstelle zu weiteren Hilfsangeboten in der Stadt. Dazu gehören Notübernachtungen, Suppenküchen, soziale Beratungsstellen sowie spezialisierte Einrichtungen wie die Caritas-Krankenwohnung für schwer erkrankte obdachlose Menschen.
Dauerhafte Aufgaben und Arbeitsfelder

Medizinische Versorgung und Wundpflege
Ein zentraler Bestandteil der Arbeit ist die medizinische Versorgung obdachloser Menschen. Dazu gehören die Behandlung chronischer Erkrankungen, die Versorgung schwerer Wunden sowie grundlegende pflegerische Maßnahmen.
Viele Patientinnen und Patienten leiden unter Diabetes, Asthma oder langanhaltenden Infektionen. Durch kontinuierliche Betreuung können in einzelnen Fällen sogar drohende Amputationen verhindert werden.

Hygiene und Grundversorgung
Ein wesentlicher Teil des Dienstes besteht in der Wiederherstellung von Hygiene und körperlicher Würde. Dazu gehören das Waschen, Versorgen und auch das Entlausen der Menschen.
Diese Arbeit erfordert Überwindung, körperliche Nähe und große menschliche Offenheit – und ist zugleich ein zentraler Schritt, um den Betroffenen ein Gefühl von Würde zurückzugeben.

Begleitung, Gespräch und Seelsorge
Neben der medizinischen Hilfe suchen viele Menschen das Gespräch. Die Schwester ist Ansprechpartnerin für persönliche Anliegen, hört zu und begleitet.
Immer wieder entstehen Situationen, in denen Menschen nach Gebet, Segen oder religiösen Zeichen fragen. Diese Angebote geschehen freiwillig und aus der Beziehung heraus – niemals aufgedrängt.

Unterstützung im Alltag und im System
Die Arbeit umfasst auch praktische Unterstützung, etwa bei sprachlichen Barrieren oder im Kontakt mit Behörden und Einrichtungen.
Durch die enge Zusammenarbeit mit Sozialarbeitenden und anderen Organisationen werden Menschen weitervermittelt, beispielsweise in medizinische Einrichtungen oder in sogenannte „Krankenwohnungen“, in denen schwer Erkrankte vorübergehend untergebracht werden können.

Einordnung
Armut und Obdachlosigkeit sind auch in Deutschland sichtbare Realität.
Die Arbeit der Schwestern zeigt, dass caritatives Handeln nicht nur in internationalen Projekten notwendig ist, sondern direkt vor der eigenen Haustür beginnt.
Der Dienst folgt dem Auftrag der heiligen Elisabeth: Menschen in ihrer Not zu begegnen und ihnen Würde zu schenken. Dabei steht nicht die Menge der erreichten Menschen im Vordergrund, sondern die Tiefe der Begegnung.
Aktivitäten und besondere Initiativen
Ein besonderer Bestandteil des Engagements ist der jährlich organisierte „Tag der Armen“.
An diesem Tag stehen Begegnung und Zeit im Mittelpunkt. Neben kleinen Angeboten wie Essen geht es vor allem darum, Menschen zuzuhören und ihnen Aufmerksamkeit zu schenken.


Wirkung
Die Wirkung dieser Arbeit zeigt sich oft im Kleinen – und gerade darin liegt ihre Stärke.
- Menschen erfahren medizinische Hilfe und konkrete Verbesserung ihrer Gesundheit
- Einzelne Lebenswege verändern sich nachhaltig
- Soziale Isolation wird durchbrochen
- Würde und Menschlichkeit werden erfahrbar
Ein Beispiel ist die Begleitung eines jungen Mannes, der nach Jahren auf der Straße wieder Kontakt zu seiner Familie aufnehmen konnte. Oder schwer kranke Menschen, die in ihren letzten Tagen nicht allein sind, sondern begleitet werden – menschlich und spirituell.
Haltung
Der Dienst ist geprägt von einer klaren inneren Haltung:
Jeder Mensch besitzt Würde – unabhängig von seiner Geschichte.
Die Arbeit geschieht im Bewusstsein, dass Hilfe immer begrenzt ist. Nicht alle Probleme lassen sich lösen. Doch im jeweiligen Moment kann Zuwendung, Pflege und Respekt geschenkt werden.
Die Schwester beschreibt ihren Dienst als ein Leben „mit den Füßen auf dem Boden und dem Herzen im Himmel“ – getragen vom Glauben und gleichzeitig nah an der Realität der Menschen.

Wirkung
Unser regionales Engagement begleitet benachteiligte Familien,
stärkt Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung,
sichert älteren Menschen Würde und Betreuung,
fördert kirchliche Gemeinschaften und weckt neue Ordensberufungen.